26.05.2011 - 14 Tage vor dem Start
Endlich komme ich dazu, mein Tagebuch über die via slavica zu beginnen! Schon vor Monaten ist die Idee gereift, mit dem Motorrad einen Pilgerweg abzufahren, und es hätte kaum einen besseren Zeitpunkt geben können.
Wie kommt man auf solch eine Idee? Nun, warum ich mit dem Motorrad reise, muss ich gewiss im Hinblick auf meine Leidenschaft und meine beiden Portale Motorrad-Tourer.com und Motorrad-Presse.com, deren Inhaber und Betreiber ich bin, nicht näher erläutern. Spannender ist da schon der Blick auf die Frage, was mich einen Pilgerweg ansteuern lässt.
Wie so oft im Leben gibt es da mehrere Gründe: Zunächst bin ich in der Tat als Kind und Heranwachsender relativ religiös incl. regelmäßiger Kirchgänge etc. erzogen worden. Diese Gewohnheit hat allerdings nicht dazu geführt, dass ich auch später diesen Weg weitergeführt hätte. Meine inhaltliche Auseinandersetzung mit einigen mir nahe gebrachten Thesen führte zu einer kritischen Distanz, zwischenzeitliche wirtschaftliche Engpässe waren der Grund für einen späteren Kirchenaustritt, verbunden mit dem Vorsatz, über diesen Schritt in besseren Zeiten nochmals nachzudenken. Zusammen mit solcher Verbesserung meiner Situation wurden aber auch Fakten gerade aus der mir über Jahre gut bekannten katholischen Kirche bekannt, die selbst schon weitere Hemmnisse aufbauten. Die Art und Weise, wie diese Institution mit den Menschen umgeht, die sie einerseits selbst als Botschafter, Multiplikator und Vorbild einsetzte, die aber nach meinem Verständnis infolge ihrer Vergehen an Kindern sich übelster Verbrechen schuldig gemacht haben, hat eine zumindest momentan unüberbrückbare Hürde aufgebaut: Unabhängig von oder gerade wegen der mir vermittelten und mich inhaltlich überzeugenden christlichen Werte gelte ich sicherlich als eher kirchenkritischer Mensch.
Dennoch kann ich durchaus gerade unter historischen Gesichtspunkten anerkennen, dass Kirchen sowohl als Institution als auch als Gebäude über viele Jahrhunderte einen großen Stellenwert in der abendländischen Kultur hatten. Und in eben dieser Kultur haben Pilgerreisen eine lange Tradition, die sich nach einem zwischenzeitlichen „Tal“ mit abnehmender Wahrnehmung seit wenigen Jahren wieder einer zunehmenden Beachtung und Beliebtheit erfreuen: Es brauchte nicht erst Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“, um den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in alle Munde zu führen.
Wer sich mal ein wenig Zeit nimmt und im Buchhandel oder auch im Internet nach Reiseliteratur zum Thema Pilgerreisen schaut, wird mit dem heutigen Problem der Informationsbeschaffung konfrontiert: Im Zeitalter moderner Medien ist es selten noch ein Problem, überhaupt an Informationen zu gelangen; man hat das Gefühl, es gibt kein Thema mehr, zu dem man keine Informationen findet. Vielmehr hat man das Differnzierungsproblem: Welche Informationen aus der Vielzahl der vorhandenen sind die für mich wichtigen und bedeutsamen, welche Suchstrategien muss ich anwenden, um aus der Flut von Quellen die markanten herauszufiltern.
Als Begründung für das Pilgern hört und liest man immer wieder Argumente, die etwas mit unserer in vielerlei Hinsicht schnellen und schnelllebigen Zeit zu tun haben: Die Abgeschiedenheit auf solchen Reisen ermögliche es einem, sein Leben selbstreflektierend und für eine kurze Zeit quasi innehaltend zu überprüfen. Abseits vom Trubel und der Hektik des Alltags, wie wir ihn gerade in einer Großstadt tagtäglich erleben und so oft schon gar nicht mehr wahrnehmen fände man Zeit und Gelegenheit, sich über den eigenen Standort, die Position im Selbst und im Verhältnis zu anderen Menschen und der Umwelt bewusst zu werden.
Kombiniert man dies mit den auf einer Pilgerreise allenthalben anzutreffenden historischen Symbolen christlicher Tradition und Wertevorstellungen, sei eine derartige Reflexion vor eben diesem Maßstab möglich.
Irgendwann, als ich mich mit dieser Thematik beschäftigte, überkamen mich Zweifel, ob man die für solches „Insichgehen“ notwendige Ruhe und Abgeschiedenheit denn auf einer der klassischen Routen tatsächlich finden würde: Hat man trotz der Vielzahl anderer Pilger tatsächlich genügend Raum für solch eine eigene Standortbestimmung?
Im Rahmen dieser Überlegungen fiel mir dann relativ bald auf, dass es bei den Pilgerreisen aber vielleicht doch eine kleine und unbekannte Nische zu geben scheint, zu der es kaum Informationen gibt und die für mich prädestiniert sein könnte: In der Wahrnehmung einiger meiner Freunde aus den westlichen Regionen Deutschlands wohne ich als Berliner quasi eh schon fast vor den Toren Warschaus ;-) Also muss ich mich auch von den noch immer 600 dazwischenliegenden Kilometern nicht schrecken lassen und kann mich dem noch wenig in der Literatur behandelten Thema der osteuropäischen Pilgerwege widmen. So ist die Idee geboren, von Berlin aus den früheren Pilger- und Handelsweg „Via Slavica“ von Warschau nach Rom zu bereisen.

Nun ist man ja als Motorradfahrer im Kreise der „echten“ Pilger nicht akzeptiert, denn bekanntlich gelten nur diejenigen als „richtige“ Pilger, die die Strecken zu Fuß, reitend oder seit jüngerer Zeit auch auf dem Fahrrad zurücklegen. Mir persönlich ist das völlig schnuppe, denn ich brauche für das von mir verfolgte Ziel weder die Anerkennung Dritter noch instrumentalisierte Pilgerausweise oder dgl. Ich denke, dass ich gerade auf meinem Motorrad und allein mit meinen Gedanken und der Umwelt um mich herum beste Voraussetzungen vorfinden sollte, um ein wenig „in mich gehen zu können“.
Das gleiche gilt übrigens auch für die Wahl der Unterkünfte: „Echte“ Pilger werden die Nase rümpfen, weil ich die Nächte nicht in einfachsten Quartieren, vielleicht auch noch auf Stroh oder zusammengepfercht mit vielen anderen Menschen in einem Raum verbringen werde: Schon jetzt bitte ich vielmals um Nachsicht, dass sich mir die Notwendigkeit all dessen verschließt. Schließlich bin ich nicht auf einer Buße-Reise unterwegs, die ein Darben und ein Aushalten einfachster Umstände notwendig oder zumindest sinnvoll erscheinen lässt. Nein, ich werde über dreitausend Kilometer in weniger als zwei Wochen auf dem Motorrad unterwegs sein und habe dabei auch auf meine eigene sowie die Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer zu achten. Hierzu ist es auch notwendig, ausgeruht und ausgeschlafen zu sein. Beides erziele ich am besten in adäquaten Unterkünften, die wahrlich keine Mehr-Sterne-Edel-Herbergen sein müssen, mir aber zum Beispiel die Möglichkeit bieten, nach dem Entledigen einer in sommerlichen Temperaturen verschwitzten Motorrad-Kombi auch zeitgemäßen Hygienevorstellungen zu entsprechen.
Schon seit Wochen habe ich meine Route und meine Tagesetappen vorgeplant, meine Unterkünfte reserviert und dabei natürlich darauf geachtet, dass möglichst Internetzugänge vorhanden sind: Wie auch auf meinen anderen Reisen üblich, möchte ich gerne bereits zwischendurch und während der Reise erste Eindrücke niederschreiben und in diesem Tagebuch dokumentieren.
Außerdem beabsichtige ich, meine Eindrücke im Nachgang zur Reise und mit dem notwendigen emotionalen Abstand in einem kommentierten Bildband zu zeigen. Hier danke ich schon jetzt Armin Würfel und seinem Complett-Verlag in Passau, der dies ermöglichen wird. Wie der Zufall es wollte, habe ich vor gar nicht so langer Zeit die Bekanntschaft zweier sehr netter und interessanter Personen machen dürfen: Die Gespannfahrer und Protagonisten des sidecar-adventure temas Heidi und Martin Franitza (Chefredakteur der Gespannzeitung) waren vor einigen Wochen mit Ihrem Multi-Media-Vortrag „Wodka in Murmansk“ in Berlin. Hier haben wir dann auch ein überaus spannendes Projekt vereinbart, in dem Martin aus meinem während der Reise angefertigten Foto- und Videomaterial eine Video-DVD erstellen wird. Hierauf freue ich mich schon sehr, ist doch der von ihm erstellte Trailer, den ich auch unter www.via-slavica.eu eingebunden habe, schon ein toller Hingucker geworden.

In den vergangenen Wochen musste ich den Start dieses Tagebuchs leider immer wieder verschieben, weil meine zeitlichen Kapazitäten durch meinen Hauptjob aber auch meine beiden anfänglich genannten Portale ausgeschöpft waren: Neben dem normalen Tagesgeschäft galt es für die Portale zusätzlich Produkttests durchzuführen oder Berichte über weitere eigene Reiseerlebnisse zu verfassen. Noch immer bin ich mit dem einen oder anderen Artikel im Verzug, aber mittlerweile setzt sich die Vorfreude auf mein kommendes Projekt, mein Highlight in diesem Jahr, mehr und mehr durch: Schon in zwei Wochen geht es los! Und wie gesagt: Insbesondere in Hinblick auf die Heltik der vergangenen Wochen mit ihren zu erledigenden Aufgaben konnte ich kaum einen besseren Zeitpunkt für meine Motorrad-Pilgerreise wählen.
27.05.2011 - 13 Tage vor dem Start
Natürlich habe ich mir in den vergangenen Wochen und Monaten auch einige Gedanken über die Frage gemacht, mit welcher Ausrüstung ich diese Tour angehen möchte: Technik, Bekleidung, Navigation, Karten etc., etc., etc...
Hier gab es einiges zu überlegen und abzuwägen. Wen es interessiert: hier ist der aktuelle Stand nachzulesen:
28.05.2011: 12 Tage vor dem Start
Heute war leider nicht so viel Zeit da, um mich mit meinem Vorhaben zu beschäftigen. Aber abends habe ich mir im großen Kinosaal der Humboldt-Uni in Berlin die Premiere des Motorradfilms "Mit Herrn von H. zum Schlangenberg" (hier die Pressemitteilung) angesehen: Hier hat der Berliner Produzent Andreas Bernhard von BBFilm ein interessantes Vorhaben in bewegte Bilder gepackt und einen ersten Teil davon veröffentlicht:

Neben dem eh gut gemachten und interessanten Film habe ich daraus noch einige Eindrücke und Hinweise versucht mitzunehmen, die mir für meine eigenen Dreharbeiten währen der Reise entlang der Via Slavica nützlich sein können. Mal schauen, was ich davon werde selbst umsetzen können.
08.06.2011 - 2 Tage vor dem Start: Schreck am Nachmittag und die Etappen gehen online
Was für ein Schreck in den Nachmittagsstunden! Für heute hatte ich bei dem Schrauber meines Vertrauens, Carlo von Pfiffikus, einen Termin für eine Durchsicht und vor allem einen Ölwechsel vereinbart: Tatsächlich bin ich in dieser Saison schon fast 7000 km gefahren und dann wäre ich auf meinen anstehenden 4700 km auf der Via Slavica ein wenig in Not geraten.

Nachdem alles soweit gut lief und nur noch ein kurzer Motorlauf nach dem Ölwechsel anstand, drohte das Unheil seinen Lauf zu nehmen: Noch nie hatte ich meinen Reisedampfer derart scheppern hören, wie in diesem Moment. Mit bestürztem Gesichtsausdruck kreuzten sich Carlos und meine Blicke. Carlo zog am Kupplungshebel und das Scheppern verschwand. Er lockerte den Griff und das Scheppern ging wieder los, um zu ersterben, sobald der Kupplungshebel wieder gezogen wurde.
Waren meine Sorgenfalten oder die von Carlo größer?... Jedenfalls befürchtete er, dass nach meiner Rückkehr wohl eine größere Operation anstehen dürfte: Einiges deute auf einen Getriebeschaden hin, vielleicht die Hauptwelle? Aber er machte mir Mut, dass ich ruhig auf Tour gehen könnte, das würde wohl noch gehen.
Auf dem Heimweg mehrten sich aber meine Zweifel: Ich bin halt jemand, der sich mit Gürtel + Hosenträger + Fallschirm am wohlsten fühlt ;-)
Also, noch eben mal beim "Freundlichen" vorbei geschaut und um eine schnelle Hörprobe mit akustischer Diagnose als Zweitmeinung gebeten. Dort kannte man das Problem und bestätigte grundsätzlich die Befürchtung meines Schraubers des Vertrauens. Allerdings zeigte mein Reisedampfer seinen Fehler nicht, nichts schepperte und alles klang bestens. Das nur zeitweilige Auftreten wiederum sei nach der Erfahrung des BMW-Fachmanns eher ein Indiz gegen einen Schaden an der Hauptwelle sondern spräche eher für ein Problem der Kupplungsdruckplatte. Und dann stünde meiner Reise erst recht nichts im Weg!
Puh, das ging ja noch mal gut!
Noch ein Grund mehr, endlich mal die einzelnen Etappen online zu stellen. Und so werde ich den heutigen Abend damit verbringen, meine Etappen nach und nach einzuarbeiten und vorzustellen.
10.06.2011: Die erste Etappe von Berlin nach Warschau
Für den heutigen Tag hatte ich mir die Anreise von Berlin nach Warschau vorgenommen. Eine Strecke, die aus eigener Erfahrung mit etwa 100 km Autobahn bis zur deutsch-polnischen Grenze beginnt, dann bis kurz vor Poznan eine in jede Richtung einspurige Landstraße ist, auf der mehr LKW als PKW unterwegs sind. Dann beginnt ein Stück Autobahn bis Lodz, bevor die letzten etwa 120 km nach Warschau wieder auf einspurigen, viel befahrenen Landstraßen zu absolvieren sind.
Eine solche Etappe schafft man nur, wenn man a) halbwegs zeitig loskommt und b) gut gestärkt auf die Reise geht. Das eine hat gut geklappt, das andere weniger....: Um halb zehn bin ich daheim im Motorradhotel-Berlin der Pension Haus Simone losgefahren, um schon eine gute halbe Stunde später meinen schon obligatorischen Halt im PS-Bistro in Jühnsdorf für eine gute Tasse Kaffee und einen netten Plausch mit der Chefin Karsta einzulegen.

Wenn ich dann gestehe, erst kurz nach 11 Uhr dort wieder weggekommen zu sein, weiß man auch, welcher Teil geklappt hat... Der Kaffe jedenfalls war gewohnt lecker... :-)

Die Autobahn bis Frankfurt/Oder und der dortigen Grenze war frei, so dass ich zügig bei etwa 22 Grad und Sonnenschein die ersten polnischen Wörter auf den Schildern lesen konnte.

Die Überraschung kam kurz nach dem obligatorischen Tankstopp gleich hinter der Grenze: Der weitere Verlauf der Europastr. 30 ist eine kilometerlange Baustelle, weil die Strecke als weiter geführte A2 ausgebaut wird, auf der viel „Stopp“ und wenig „Go“ angesagt war. Beim ersten Halt, immerhin fast eine Viertelstunde, hatte ich noch Glück, dass ich mich gerade im Schatten einer künftigen Autobahnbrücke befand. Beim zweiten Stopp hatte ich in praller Sonne weniger Glück, so dass ich mich vorsichtig, auf der aktuell ebenfalls leeren Gegenspur vorwärtstastete. Da bemerkte ich, dass eine geschlossene Schranke die Ursache war: Die schloss etwa zehn Minuten vor dem Eintreffen des dann mit etwa 30 km/h vorbeifahrenden Zuges, um noch beim Passieren des letzten Waggons wieder zu öffnen...

Stau um Stau begleitete mich bis kurz vor Posen, als es dann endlich auf die – mautpflichtige – Autobahn ging. An einer der Mautstellen sah ich eine andere , bunt gewürfelte Gruppe Motorradfahrer aus Berlin, Luxemburg, Österreich, Delmenhorst und Wittingen. Wir trafen uns wieder, als ich nach einem W-Lan- und Essenshalt bei bei MCD kurz vor Lodz gerade losfahren wollte, als sie eintrafen.
Hinter Lodz auf den Landstraßen dann zu Beginn und Ende der Ortschaften ein für mich neues Bild: Die in Polen schon historisch ziemlich gläubige Bevölkerung begrüßte das nahende Pfingstfest, in dem die Kreuze oder religiösen Statuen bunt geschmückt wurden.

Dies war doch mal ein Einstieg in die anstehende Pilgerreise... Aber auch die Mohnfelder zu dieser Jahreszeit sind ein echter Hingucker:

Ansonsten kann man auch in Polen an verschiedenen Stellen gerade in der Dämmerung die Störche in ihren Nestern sehen.

Aufgrund des einen oder anderen Foto- und Tankstopps holte mich die vorher erwähnte bunte Motorradtruppe dann etwa 80 km vor Warschau ein und zeigt mir dann, wie man sich als Motorradfahrer bei vollen Straßen fortbewegt: Mal links vorbei, wenn ein Hauch Platz da ist, mal rechts vorbei, wo auch auf der Landstraße so eine Art Standstreifen existiert, mal zügig überholen und mal ganz schmal in eine Lücke schmiegen... Ich dachte mir, wenn die sieben vor mir überleben, werde ich das als achter wohl auch, wenn ich mich hinten ranhänge: Gesagt getan, und so durfte ich sogar Zeuge werden, wie einer der Teilnehmer – immerhin auf einem Notarzt-Motorrad unterwegs – sein Blaulicht mit Signalhorn Zuhilfe nahm, als sich partout keine Lücke für uns auftun wollte.... O. k., man muss das nicht alles gut finden, aber so war ich dann gegen 21 Uhr in Warschau an meinem Hotel Hetman.

Alles in allem also ein Dank an die bunt gewürfelte Motorradtruppe für`s „Durchschleusen“. So blieb mir wenigstens noch ein wenig Zeit für den Tagebucheintrag.
Gute Nacht

11.06.2011 - Die zweite Etappe von Warschau nach Czestochowa (Tschenstochau)
„Warschau ist schön“ war mein meist gehörter Satz, als ich vor der Tour erzählte, was ich vorhabe. Mich durchzuckte es jedes Mal, weil ich nicht wusste, wie ich mit diesen Aussagen umgehen sollte: ich hatte bisher persönlich noch keinen positiven Eindruck von Warschau bekommen und habe diesen Startpunkt meiner Via Slavica auch nur gewählt, weil die Historie dies so erfordert:
Der osteuropäische Pilgerweg – auch Via Slavica, Romstraße der Slawen oder Weg der Slawen genannt – begann in Warschau, wo sich die Pilger aus dem Norden Polens sammelten, um in Richtung Tarvis in Italien zu reisen. Hier war ein weiterer Treffpunkt mit den Pilgern zum Beispiel aus Levoca für die Slowaken oder Budapest für die Ungarn. In Italien verlief der Weg wie meine geplante Route.
Nun hatte ich mir mein Hotel bewusst in unmittelbarer Nähe der Johannes-Kathedrale gesucht. Tatsächlich hätte ich hinlaufen können, konnte ich doch das Dach von der nächsten Kreuzung aus sehen und hätte nur einmal über die Brücke der Weichsel gehen müssen. Aber da es ja eine Motorradreise ist, habe ich mich auf zwei Rädern dorthin bewegt.
Die Johannes-Karthedrale befindet sich mitten in der Altstadt in unmittelbarer Nähe des Königsschlosses (polnisch: Zamek). Die Lage ist dennoch völlig untypisch für eine derart große und bedeutende Kirche: Üblich ist sonst ein Standort auf einem Hügel, in der Nähe von Gewässern, vor allem mit reichlich Freifläche außen herum, um das Gebäude auch wirken zu lassen.

Nicht so in Warschau: Hier ist die Kathedrale eingebaut zwischen anderen Häusern der Altstadt, so dass man Not hat, die Kathedrale auf ein Foto zu bekommen. Sie wurde Ende des 15. bzw. zu Beginn des 16. Jahrhunderts im spätgotischen Stil erbaut. Mit der Funktion eines Doms seit 1798 ausgestattet ist sie die bedeutendste Kirche Warschaus, in deren Krypta sich die Gräber mehrerer polnischer Persönlichkeiten befinden. Nach fast vollständiger Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde der Dom wieder in Anknüpfung an die frühere Architektur aufgebaut.


Kennzeichnend für die Johannes-Kathedreale sind ihre großen, bunten Glasfenster mit Darstellungen polnischer Heiliger. Für mich aber war auch und vor allem die Freundlichkeit der Brüder und Schwestern, die sich um die Kathedrale kümmern, besonders kennzeichnend. Neben netten Gesprächen, die ob der sehr guten Deutschkenntnisse der anwesenden Brüder problemlos möglich waren, hat mir der Humor besonders imponiert: Ich denke, ein solches Bild erhält man nicht alle Tage:

Bewegt man sich in der Altstadt dann von der Johannes-Kathedrale am Königsschloss mit seinen davor auf Touristen wartenden Kutschen vorbei, gelangt man zu einer weiteren, besonders für die Warschauer bedeutsamen Kirche.

Die St.-Annen-Kirche am Eingang zur Altstadt hat nichts von der Schlichtheit der Kathedrale: Hier findet man ein üppig geschmücktes und verziertes barockes Flair mit viel Gold und einem bemalten Deckengewölbe vor.

Wegen der beeindruckenden Orgel und der besonderen Akustik des Hauses finden hier oftmals Orgelkonzerte statt.

Nun war es Zeit, mich wieder auf den Weg zu machen, hatte ich doch noch knapp 300 km über Landstraßen bis nach Czestochowa/Tschenstochau, dem bedeutendsten Wallfahrtsort in Polen, vor mir. Dazu musste ich zunächst mitten aus der City Warschaus gen Süden aus der Stadt kommen, was bei vollen Straßen und konsequenter roter Welle auch für einen großstadterfahrenen Berliner etwas nervig war. Dabei führte die 6-spurige Schnellstraße durch mehrere verlassene und verwahrlost aussehende Stadtteile, die nur durch die klassischen ostblock-typischen Plattenbauten geziert waren. Nach diesem Teil der Strecke und meinem Gesamteindruck nun aus mehreren Aufenthalten in Warschau bleibe ich bei meiner Meinung: Warschau ist nicht schön, hat aber eine (kleine) schöne Altstadt.
Als es dann aber vollbracht war, wurde ich wieder daran erinnert, dass die polnischen Straßenkategorien nicht mit den deutschen vergleichbar sind. Die von mir größtenteils genutzten Landesstraßen sind qualitativ nicht im Ansatz mit den meisten deutschen Bundesstraßen vergleichbar. Hier werden deutsche Diskussionen um übermäßig viele Schlaglöcher mit Füßen getreten. Mal schauen, ob ich zuhause ein neues Fahrwerk benötige....
Die Region süd-südwestlichvon Warschau scheint die Obstregion Polens zu sein: Kilometerlange Obstplantagen zierten meinen Weg. Das hatte zur Folge, dass überall am Straßenrand einzelne PKW mit aufgeklappter Heckklappe standen, aus denen heraus dann körbeweise Erdbeeren, Kirschen und diverse weitere Obst- und Gemüsesorten verkauft wurden. Wer die Strecke also tatsächlich mal als „richtiger“ Pilger zu dieser Jahreszeit zurücklegen möchte, muss sich um seine Verpflegung keine Sorgen machen.

Den Flop des Tages erlebte ich an einem idyllischen Flusslauf: Aus dem Nichts heraus nach einer Kurve führte die Straße plötzlich als Brücke über einen Fluss, der mit seinen kräftigen Farben und seinem Blau als Kontrast zu dem seit Stunden gesehenen Grün der Obstplantagen direkt ein Blickfang war. Direkt am Wasser sah ich ein Hotel mit Restaurant, das einen sehr schön angelegten Garten mit einem mittig aufgestellten großen Grillstand hatte, von dem es vortrefflich zu mir herauf duftete. Wie auf Knopfdruck setzten Hunger und vermehrter Speichelfluss ein, die Entscheidung war getroffen, eh ich darüber nachdenken konnte.

Dann wurde es schwierig: ich der polnischen Sprache nicht mächtig, das Personal der deutschen und englischen Sprache nicht. Wir haben es hinbekommen, dass sie wussten, ich hätte Hunger und Durst und wolle wegen der tollen Location gerne einige Bilder für meine Berichte machen. Es dauerte eine Viertelstunde, bis die Serviererin ihr Gespräch mit dem Grillmeister unterbrach, um mir die Karte zu bringen. Weitere 10 Minuten später war klar, dass ich vom Grill nichts bekäme, weil das für eine Gruppe reserviert wäre aber ich eines der angebotenen Menus bestellen könne. Diese dauerten aber wegen der frischen Zubereitung etwa eine Dreiviertelstunde. Und außerdem habe ich bis zu diesem Zeitpunkt auch noch keine Antwort auf die hochkomplexe Frage erhalten, ob ich von der Location Fotos machen dürfe: Plötzlich war mein Hunger wie weggeflogen und das dortige Personal hat wahrscheinlich noch nie einen Motorradfahrer so schnell wieder aufsitzen sehen. Das Dworek nad Pilica hat sich damit einen echten Motorrad-Tourer.com-Flop verdient.

Nachdem es mittags ordentlich warm war, kühlte es sich merklich ab. Irgendwann schien die Straße vor mir direkt in eine Regenwolke hineinzuführen. Es wurde Zeit, wieder die wasserdichte Membran in meine Rukka-Kombi einzuknüpfen, auch wenn ich dann tatsächlich keinen Tropfen abbekommen sollte. Dafür war es nicht mehr so kühl während der Fahrt.
Unterwegs nach Czestochowa kam ich natürlich noch an zahlreichen weiteren Kirchen, die gewiss sehenswert waren oder gewesen wären, vorbei. Aber auch darüber zu berichten, würde den Platz hier sprengen.

In Czestochowa empfing mich dann wieder strahlender Sonnenschein bei sommerlichen Temperaturen. Bei einer solchen Abendsonne musste ich zwingend gleich zur Klosteranlage Jasna Góra fahren, um gute Fotos zu erhalten.
Hier befindet sich innerhalb von den Mauern einer Festung auf dem „Hellen Berg“ (Übersetzung von Jasna Góra) die Wallfahrtskirche mit Paulinerkloster, in der die „schwarze Madonna“ verehrt wird. Diese war nicht von Anfang an schwarz, sondern Hände und Gesicht sind vom Rauch der Kerzen dunkel gefärbt. Aufgrund der verschiedenen Überlieferungen wird dieser Ikone, die wohl im 6. oder 8. Jahrhundert in Byzanz hergestellt worden sein dürfte, eine verbindende Wirkung gegen gemeinsame Feinde zugesprochen. Davon hat sich auch die Solidarnosc-Bewegung etwas versprochen, als sich die streikenden Arbeiter der Lenin-Werft unter einem Bildnis der schwarzen Madonna versammelten. Ein entsprechendes Bild erinnert noch heute am Eingang zur Marienkapelle.

Überhaupt ist der christliche, insbesondere katholische Glaube in Polen wesentlich stärker verwurzelt, als dies in den meisten Gegenden Deutschlands der Fall ist. In Polen sieht man regelmäßig Menschen jeden Alters in die Kirche gehen und den katholischen Ritualen folgen.
Dementsprechend voll war denn auch die Marienkapelle an diesem Abend, als eine heilige Messe mit dem sog. „Appell von Jasna Góra“ stattfand: Dabei laufen die Gläubigen einmal um das Marienbildnis herum, während ein bestimmter Verehrungstext dreimal gesungen wird.

Unter Wahrung des Respekts für die Gläubigen und Pilger, die in Anrecht auf eine möglichst störungsfreie Feier haben, bitte ich um Verständnis, dass ich kein eigenes, gutes Bild von der schwarzen Madonna anbieten kann; dazu wäre es notwendig gewesen, mich zum Fotografieren zwischen die Gläubigen zu zwängen, was ich für unangemessen hielt. Ich stehe aber aktuell mit dem Pressebüro im Kontakt, um ein von dort frei gegebenes Foto selbst veröffentlichen zu dürfen. Dann werde ich diesen Artikel entsprechend aktualisieren.
Hier einige Eindrücke:



Mit der Sonne an der richtigen Stelle könnte man fast meinen, einen Heiligenschein zu erkennen

Insgesamt ist mir aufgefallen, dass die Polen doch noch sehr an dem verstorbenen Papst Johannes Paul II, der ja aus ihrem Land stammte, festhalten. Schon in Warschau traf ich allerorts auf Plakate, Bilder oder Skulturen von ihm. In Chestochowa dann war gar ein Großteil der Festungs- bzw. Klostermauer mit Plakaten geradezu übersät, die ihn zu unterschiedlichsten Anlässen zeigten. Mir persönlich ist das ein zu befremdlicher Kult, aber vielleicht kann ich da auch nur einfach nicht gut genug hineinfühlen.
Nicht versäumen möchte ich, die Kathedrale in Czestochowa zu erwähnen, die u. a. ebenfalls mit großen bunten Glasfenstern aufwartet, durch welche die hineinscheinende Abendsonne entsprechende Reflexionen an der gegenüberliegenden Wand ermöglicht.

12.06.2011: Die dritte Etappe von Czestochowa nach Kraków
Natürlich interessierte mich brennend, warum am Vorabend die Wiese vor dem Kloster Jasna Góra mit unglaublich vielen Stühlen vollgestellt war. Also war morgens mein erster Weg nochmals dorthin, um meine Neugierde zu befriedigen:


Tatsächlich fand ich gut gefüllte Plätze und auf Decken auf dem Boden sitzende Familien mit kleinen Kindern wieder, die den verschiedenen musikalischen Vorführungen folgten. Irgendwie hatte alles eher Festival-Charakter, als dass es an eine steife katholische Messe erinnerte. Die Leute kamen und gingen, wie sie wollten, aßen oder tranken und waren guter Stimmung. Was mir besonders auffiel: Ich habe eine ziemlich lange Dauer nach einem Mülleimer für meine leer getrunkene Cola-Dose gesucht, bis ich endlich einen fand. Dennoch war das gesamte Gelände picobello sauber, man sah keinen Unrat herumliegen.
Schade, dass auch bei diesen Gelegenheiten Hoffnung und Enttäuschung so dicht beieinander liegen...

Dann machte ich mich auf, schließlich wollte ich heute noch nach Kraków kommen. Das war eine recht kurze Etappe mit etwa 180 km bei dem von mir gewählten Verlauf, insofern sollte der Tag etwas entspannter werden.
Mit Kurs Südost fuhr ich dann aus der Stadt und merkte bald: Irgendetwas ist anders als an den beiden letzten Tagen..... Genau, ich musste wesentlich häufiger die linke Hand zum Gruß erheben als in den letzten Tagen. Habe ich dort nur selten andere Motorradfahrer gesehen, waren das eigentlich nie Einheimische, sondern immer ähnlich stark beladene Reise-Motorräder wie meines. Zunächst hatte ich gedacht, dass Motorradfahren unter den Polen wohl nicht so beliebt und verbreitet sei.
Nun dachte ich zuerst, ob die wohl alle nur sonntags fahren?....
Weit gefehlt: Was nun kam und auf mich wartete, war von der Streckenführung und -qualität eine ganz andere Liga, als die gestrige Gebiss-Haftcreme-Teststrecke. Vernünftige Straßenbeläge und schon bald vereinzelt, später zunehmende Kurven mit insgesamt etwas hügeliger werdendem Gelände. Ich bitte um Nachsicht, wenn ich dazu wenig Fotos liefern kann, aber ich war so überrascht und erfreut, dass ich gar nicht anhalten sondern einfach nur fahren wollte.
Überlagert wurde die Freude nur durch einen traurigen Anlass: Plötzlich und völlig überraschend auf einem schnurgeraden Stück war die Straße gesperrt und ich sah schon von weitem das Blaulicht. Wie sich herausstellte, hatte sich leider ein anderer Motorradfahrer in den Straßengraben geworfen und wurde gerade mit dem Krankenwagen unter Blaulicht abtransportiert. Daher von dieser Stelle aus unbekannter Weise : Alles Gute und gute Besserung, ich drücke ganz fest die Daumen!
So kam ich denn nach einer schönen und erholsamen Fahrt in Tyniec, einem Ortsteil am Stadtrand von Kraków an. Hier hatte ich mir im Vorfeld meiner Reise überlegt, doch auch mal pilgertypisch in einem Kloster zu übernachten. Gebucht hatte ich im „Gästehaus“ des Benediktinerklosters ein „einfaches Zimmer mit Waschbecken und Frühstück, allerdings Dusche und WC auf dem Gang“ für umgerechnet sagenhafte 20 Euro. Dafür konnte man nun in der Tat nicht viel erwarten, aber für eine Nacht würde das schon gehen... dachte ich mir....

Dank meines zumo 550, dass die am Motorrad-Tourenplaner vorgeplante Route natürlich selbst rechnen muss um dann kleine (oder auch mal nicht so kleine) Abweichungen selbst und ungefragt vorzunehmen, kenne ich nun die Strecke zwischen Tyniec und Kraków auch gut, ich bin sie zweimal gefahren...

Angekommen am Kloster musste ich (natürlich) außerhalb der Klostermauern parken, um dann mit meinem Gepäck etwa 150 m bis zur Rezeption zu laufen. Dort wurde gleich ein alternatives Zimmer angeboten: Für eine Zuzahlung von umgerechnet etwa 10 Euro könne ich auch ein eigenes Bad im Zimmer haben! Na, denn: Immer her mit dem Luxus :-) Natürlich habe ich mich für ein solches Zimmer entschieden.
Als ich dann noch eben kurz mein Vorhaben erwähnte, wurde mir direkt ein Interview mit einem leitenden Pater vorgeschlagen. Auch gut, darauf war ich zwar nicht vorbereitet, aber das würde gewiss schon irgendwie gehen.

Pater Zygmunt, der nach seiner Visitenkarte die Funktion des „dyrektor“ innehat, hielt sich dann auch gar nicht lange mit Vorreden oder sonstigem Geplänkel auf: Direkt ging es auf einen Rundgang durch das Kloster. Gut, dass ich gerade noch meinen Fotoapparat holen konnte und zufällig in der Tasche auch meine Kodak Playsport, die HD-Kamera im Handy-Format lag. Denn wir kamen nach Durchschreiten des Kreuzgangs direkt in die Klosterkirche.

Dort fand gerade eine Chor- und Solistenprobe statt, die ich in etwa 2 m Entfernung vom Chor von der Seite aufnehmen durfte! Das war ein Erlebnis!

Insgesamt kann das Kloster auf eine bewegte Geschichte zurückblicken: Die ältesten Bauteile stammen aus dem 11.Jjahrhundert, wie beispielsweise dieser Torbogen.

Es gab aber auch Überbauungen im gotischen Stil sowie unter den Einflüssen des Barock.

Anschließend, während wir uns weiter über mein Vorhaben Via Slavica unterhielten, führte er mich auch über den Hof, auf dem an diesem Wochenende verschiedene kirchliche Orden, Stifte und Schwesternschaften ihre Waren feilboten. Der Zufall wollte es, dass wir dabei auch die Vertreter der Stifts Klosterneuburg aus der Nähe von Wien trafen, die Säfte und Wein produzieren. Mal schauen, ob ich in ein paar Tagen dort mal vorbeischaue, wenn ich von Wien in Richtung Graz auf meiner Tour entlang der Via Slavica weiterfahre....
Aber Pater Zygmunt hatte noch weitere Überraschungen für mich parat: Ob ich denn schon für das Abendessen etwas vorhätte? Ich könne doch auch im Kloster essen. Da mir vorher die Möglichkeit nicht klar war, ich jetzt außerdem mitbekam, dass das Kloster gegen 21:30 Uhr verschlossen wird, so dass es kein Rein- oder Rauskommen gibt, sagte ich auf die Schnelle zu. Flugs war ich eingeladen, das Abendessen zusammen mit den Klosterbrüdern im dortigen Refektorium einzunehmen!
Ach, und ich möge doch rechtzeitig dafür sorgen, dass ich vor dem Schließen der Klostertore mein Motorrad vom öffentlichen und nachts unbewachten Parkplatz hole: Es sei doch innerhalb des Klostergeländes wesentlich besser und sicherer aufgehoben! Und so übernachtet mein Motorrad auch zum ersten Mal in einem Kloster; ich hoffe, es bekommt ihm gut.
Nun endlich konnte ich mein Zimmer beziehen und stellte fest, mit der spartanischen Ausstattung in einem Kloster ist es nicht all zu weit her: O.k., es befinden sich tatsächlich „nur“ ein Bett, ein Schrank und ein kleiner Schreibtisch in meinem Zimmer, aber die Möbel sind alles andere als einfach, alt oder gar abgenutzt, worauf ich mich in meiner Fantasie schon eingestellt hatte. Und die Objekte und Armaturen im Badezimmer müssen den Vergleich zu deutlich teureren Hotelzimmern nicht scheuen. Der Clou aber: wenn ich die Badezimmertür offenlasse, ist das mein Blick beim Duschen:

Die Herzlichkeit und Warmherzigkeit, mit der ich hier aufgenommen wurde, hat mich schon tief beeindruckt. Meine vorab sehr vorsichtigen Vorstellungen, was mich hier im Kloster erwarten würde, wurden komplett über den Haufen geworfen. Das geht bis hin zu einer eigenen Internetverbindung im Zimmer, die mir eine Fertigstellung meines Tagebucheintrags noch an diesem Abend ermöglichte.
Somit verdient sich das Benediktiner-Kloster in Tyniec/Kraków nicht nur einen dicken Motorrad-Tourer.com Tipp!, sondern wird für mich künftig erste Wahl sein, wenn es mich wieder in diese Region verschlägt.
So kam es denn anders, als gedacht: Ich bin an diesem Tag nicht mehr ins Zentrum von Kraków gekommen, habe weder die Kathedrale noch die Königsresidenz Wawel gesehen, was ich versuchen werde, am Folgetag nachzuholen. Dafür habe ich überaus freundliche und zuvorkommende Menschen hier im Kloster kennenlernen dürfen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Hier noch einige Eindrücke von dieser besonderen Stätte:


13.06.2011 - Die vierte Etappe von Kraków nach Ostrava
Es gibt Tage, die irgendwie schon gebraucht sind. Zwar passiert nichts wirklich Schlimmes, aber irgendwie läuft auch wenig rund. Solch einen Tag erwischte ich zu Beginn meiner vierten Etappe.
Bereits morgens um 5:45 Uhr fing es an, als die Klosterglocke nicht nur die Brüder zum Morgengebet rief sondern auch mich nach nur vier Stunden Schlaf weckte. Dafür kamen dann auch um kurz vor halb sieben mehrere Traktoren auf das Klostergelände gefahren, was mir ebenfalls bei geöffnetem Fenster nochmals eingeschlafen nicht verborgen blieb. Nachdem ich dann nochmal eingenickt bin, war das zu 7:30 Uhr angesetzte gemeinsame Frühstück mit den Brüdern nicht mehr erreichbar, mein Tagesstart begann also ohne Frühstück. Nun gut...
Ich fuhr dann in die Innenstadt von Kraków, um mir das Königsschloss und die Kathedrale anzusehen. Nachdem ich mich dort durch die Flut von Straßenschildern mit in polnischer Sprache formulierten Zusatzhinweisen, wann und unter welchen Voraussetzungen die verschiedenen Halte- und Einfahrtverbote bestehen, getankt hatte, fand ich auch einen Parkplatz in halbwegs akzeptaber Entfernung: Fußwege bei etwa 24 Grad in Motorrad-Kombi und mit Helm und Tankrucksack voller Technik bewaffnet wollen gut dosiert sein. Am Gelände von Schloss und Kathedrale wurde ich von einer Kasse zur nächsten verwiesen, mal sollten viele Bereiche des Schlosses verschlossen sein, mal kosteten sie keinen Eintritt... eine Sache sollte ich mal an dem oder und mal an dem anderen Ort deponieren können, nur leider niemals dort, wohin ich gerade geschickt worden war. Am Ende hatte ich für die Bereiche, die keinen Eintritt kosten wie alle anderen Besucher auch eine Freikarte erhalten. Die musste zwar nirgendwo vorgezeigt werden, aber es war ungemein wichtig, sie dabei zu haben. Und für den Eintritt in die Kathedrale hatte ich dann 7 Zloty (etwa 2 Euro) gezahlt, nur um dann am Eingang zu erfahren, dass man nicht fotografieren dürfe und es dafür auch keine gesondert einzuholende Genehmigung gäbe...

Ich habe mich dann entschieden, dem Chaos dort aus dem Weg zu gehen und es bei einem Außenbild zu belassen. Lieber machte ich mich auf den Weg Richtung Slowakei, um in Krzeszow (Polen) und Turzovka (Slowakei) jeweils Wallfahrtsorte zu besuchen. Da mein Motorrad-Tourenplaner leider kein Kartenmaterial für die Slowakei zur Verfügung stellt, wollte ich die Routenplanung vor Ort am Navi vornehmen. Leider kannte das Kartenmaterial von Garmin wiederum nicht das richtige Krzeszow, so dass schon mal eine Reduzierung meiner Besichtigungen die Folge war.
Auf dem Weg vom Kraków nach Turzovka merkte ich dann ziemlich bald, dass mich die Garmin-Software unter Berücksichtigung der gewählten Voreinstellung „kürzeste Zeit“ oder „kürzeste Strecke“ vorrangig über die Hauptstraßen der Region führte. Diese sind zwar fantastisch ausgebaut, aber in der Straßenführung langweilig geradeaus. Und vor allem liegen an diesen die orte wie Perlen an der Kette aufgereiht mit dazwischen liegenden Abständen von nur einem oder zwei Kilometer. Man muss also dauernd das Tempo reduzieren und wird durch die in jedem (!) Ort vorhandenen Starenkästen erinnert. Da halfen auch die ab und an mal zu sehenden Mohnfelder zwischen den Orten nicht, die Stimmung deutlich zu heben.

Nach knapp dreißig Kilometern hatte ich auch davon die Nase gestrichen voll. Auf einem kurzen freien Abschnitt zwischen zwei Ortschaften habe ich dann angehalten und meine Technik hervorgeholt, um unter Verzicht auf die Slowakei mir per Motorrad-Tourenplaner eine Strecke nach Ostrava individuell zusammenzustellen und den Starenkästen an den Hauptstraßen zu entkommen.

Dabei bemerkte ich, dass eine mögliche Streckenführung auch durch Oberschlesien hindurch, vorbei an Kattowice, Zabrze, Gliwice führen könnte. In dieser Region war ich als Kind sehr häufig, da dort ein Großteil meiner Verwandschaft wohnte, die wir regelmäßig besuchten. Das war doch mal ein Anlass, den offiziellen Pilgerweg aus höchstpersönlichen Gründen zu verlassen und dem ehemaligen Haus meiner Großmutter sowie ihrem damaligen Wohnort in Gliwice einen Besuch abzustatten.
Die Region ist ähnlich wie das deutsche Ruhrgebiet durch Kohleabbau gekennzeichnet. Auch hier liegen die Städte dicht beieinander, nur wenige Kilometer von einander getrennt. Ich habe mich so auf einen kleinen Trip in meine eigene Vergangenheit begeben und war erstaunt und auch ein wenig bedrückt, wie wenig sich dort in den vergangenen gut dreißig Jahren geändert hat. Wirklich schön anzusehen war damals schon nicht viel, und wenn ich mir die Gebäude jetzt angesehen habe, ist wirklich kaum etwas geschehen.
Nachdem ich aber sehen konnte, das wenigstens das ehemalige Haus meiner Großmutter sehr gut erhalten und mit neuem Dach und Fassade versehen einen Lichtblick darstellte, musste natürlich dem Zweck meiner Reise angepasst noch ein Foto vor der Kirche entstehen, in die ich als Kind und Jugendlicher bei unseren Verwandtenbesuchen regelmäßig mitzugehen hatte.

Von hier ging es mit gemischten Gefühlen und vielen Gedanken an die früheren Erlebnisse und Eindrücke in Richtung auf die polnisch-tschechische Grenze, da meine nächste Station in Ostrava liegen würde.
Vielleicht war dieser Teil der Etappe tatsächlich der erste Moment, der mir den Raum für Selbstreflexionen und dem Befassen mit Themen, die mein eigenes Leben ausmachen und bedeuten, ermöglichte. Schließlich sollte diese Reise ja auch diese Möglichkeit schaffen. Allerdings waren die bisherigen ersten Etappen noch zu sehr davon geprägt, das ich mich an die Reisesituation wieder gewöhnen muss, von Überlegungen zur Routenführung und dem Wunsch, dass ich nichts übersehen oder verpasse auf meiner Strecke. Es wird Zeit, dass insoweit etwas mehr Gelassenheit eintritt. Sehr gut hat mir gefallen, was Daniel, ein Freund von mir, in einem etwas anderen Zusammenhang in seinem Blog über eine Wanderung zu Fuß durch Schweden unter http://mopetenreiter.wordpress.com/2011/06/08/immer-einen-fus-vor-den-anderen/ geschrieben hat: Ehrgeiz ist auf solchen Reisen ein ganz falscher Begleiter.
Das zu wissen ist das eine, es umzusetzen braucht aber manchmal ein wenig Zeit. Mal schauen, was die nächsten Etappen so bringen.

14.06.2011 - Die fünfte Etappe von Ostrava nach Brno
Dieser Morgen begann schon viel besser als der gestrige: ein reich gefülltes Frühstücksbuffet erwartete mich im Hotel Brioni in Ostrava in Kaffeehaus-Athmosphäre passend zu einem ermutigenden Sonnenschein.

Direkt nach dem Frühstück habe ich mein Gepäck auf meinem Motorrad verstaut, das die Nacht auf dem abgeschlossenen Hotelparkplatz verbracht hatte.

Und schon ging es los auf die geplanten etwa 240 km nach Brno mit Zwischenstopps in Fulnek und Velehrad. Beim Verlassen der Stadt bestätigte sich mein Eindruck vom Vorabend: eine besonders schöne Stadt ist Ostrava nicht und insbesondere im Vergleich zu zahlreichen anderen Häusern, die ich zu Gesicht bekam, hatte ich mit meiner Hotelwahl richtig Glück gehabt.
Dafür wurde die Fahrstrecke außerhalb der Stadt deutlich schöner und abwechslungsreicher. Mehr und mehr Kurven kamen auf und das Gelände wurde etwa hügeliger: So macht Motorradfahren Spaß.
Schon recht bald erreichte ich Fulnek und war reichlich erstaunt, wie klein dieser Ort war, denn ich fand dort vielleicht ein Dutzend Häuser vor. Von der angekündigten Wallfahrtskirche aus dem 18. Jahrhundert war weit und breit nichts zu sehen. Was hilft`s, dachte ich mir, dann ist das ebenso und dann steuere ich eben gleich Vehlerad an.
Nach der Weiterfahrt kam ich kurze Zeit später an den nächsten Ort, dessen Ortseingangsschild mich doch verwunderte: ich war in....Fulnek, wo ich doch gerade eben herkam. Neue Hoffnung aber dann doch wieder keine Wallfahrtskirche, so dass ich weiter fuhr. Dabei sah ich von weitem schon auf einem der Hügel ein großes Gebäude stehen, dass ein Schloss oder auch ein Kloster sein könnte. Passend dazu hatte sich über eben diesem Hügel und den nachfolgenden eine mächtige Regenwolke gesammelt, aus der ab und an auch mal ein Blitz hervorzuckte. Das schien mir doch passend, dort vor dem Herannahenden Gewitter Unterschlupf zu suchen.
Als ich in diesen Ort hineinfuhr wunderte ich mich dann schon nicht mehr über den Ortsnamen, denn ich war, schon wieder am nun im richtigen Fulnek. Am Fuße des Hügels, auf dem ich vorher das imposante Gebäude aus der Ferne gesehen hatte, fand ich dann auch mit der Dreifaltigkeitskirche die besagte Wallfahrtskirche. Beim einsetzenden Regen wollte ich mich dorthin flüchten, hatte aber Pech, weil die Kirche leider verschlossen war.

In einem Moment mit unbegrenztem Optimismus machte ich mich im Glauben, Schutz im auf dem Hügel gelegenen Schloss zu finden, daran, die Treppen hügelaufwärts zu erklimmen. Aber schon bald merkte ich, dass ich bei stärker werdendem Regen und der mit dem Erklimmen des Hügels in voller Montur einhergehenden Anstrengung in jedem Fall durchnässt oben ankäme, so dass ich den Rückzug antrat und den Regenschauer in einem Wartehäuschen für den Bus überstand. Dabei bemerkte ich, dass ich den Verschluss meiner Trinkflasche offensichtlich nicht richtig verschlossen hatte und sich ungefähr ein Viertelliter Wasser in meinen Tankrucksack ergossen hatte.... Meine Sorge, dass meine darin befindliche Technik (Fotoapparat, Netbook, externe Festplatten und diverse Kabel und Netzteile) Schaden genommen hatten war zum Glück unbegründet: Das Material des Tankrucksacks „Trial“ von sw-motech/bags-connection sowie die Schutztasche meines Fotoapparates erwiesen sich als aufnahmefähige Schwämme, die sich rührend um die Nässe gekümmert haben.: Tatsächlich ist überhaupt nichts passiert!
Ich habe dann den Fotoapparat ohne die Schutztasche in den zuvor mit einigen Taschentüchern weitestgehend getrockneten Tankrucksack verstaut, diese Schutztasche in ein Plastiktüte gesteckt in einen der Koffer gepackt und alles war gut.
Mein anschließender Gang in die Touristeninformation zeigte mir, wie richtig meine Entscheidung war, den Anstieg des Hügels hoch zum Schloss abzubrechen: Dieses war ebenfalls geschlossen und ich hätte dort durchnässt vor verschlossenen Türen gestanden.
Der Regen hatte nach kurzer Zeit bereits wieder aufgehört, so dass ich weiterfahren konnte. Leider stand besagte Hügel mit dem Schloss zwischen mir und meiner weiteren Fahrtroute, so dass ich nicht abschätzen konnte, in welche Richtung sich die Regenwolke verzogen hatte. Wegen der noch immer warmen Temperaturen versuchte ich mein Glück und ließ meine wasserdichten Membranen für Jacke und Hose meiner Rukka-Kombi Airoad hoffnungsvoll im Koffer. Allerdings nur für etwa 3 – 4 Kilometer, da ich nach Umrunden des Hügels sah, dass die Regenwolke mich weiter begleiten würde. Also habe ich eben nochmal am Straßenrand angehalten, um mir die Membran wenigstens in meine Jacke einzuknüpfen. Bei der Hose erschien es mir auf weiter Flur etwas umständlich, und was soll denn schon bei einem vollverkleideten Motorrad, auf dem sich auch noch ein Tankrucksack auftürmte und fast bis an die Jacke heranreicht, passieren?...
Das war eine folgenschwere Entscheidung, wie sich dann zeigte. Denn nahezu die gesamte Strecke bis Velehrad, und das sind immerhin etwa 95 km (siehe Karte) schüttete es wie aus Eimern. Insbesondere auf der Strecke zwischen Tlumancov und Velehrad (siehe Karte) gewitterte es zusätzlich.
Schade, denn gerade diese Strecke möchte ich jedem Motorrad-Enthusiasten ans Herz legen. Hier fährt man durch verlassene Waldgebiete auf einer Straße, die kaum breit genug für zwei PKWs ist, teilweise unter einem dichten Blätterdach auch tagsüber in Dunkelheit, teilweise mit freiem Blick über die Gipfel, wie auf einer Kammstraße. Bei anderen Witterungsverhältnissen ist das eine absolute Traumstrecke, ein „must-have“. In jedem Fall habe ich auf der Anfahrt bis dorthin schon unzählige Male in der Gischt herannahender LKW geduscht und dabei recht deutlich den Unterschied zwischen eingeknöpfter Membran in der Jacke und fehlender Membran in der Hose gespürt... In jedem Fall stimmen unter Verwendung dieser Membran die Herstellerangaben, dass die Kombi völlig wasserfest ist. Ich hatte auch nach zweistündiger Dauerberegnung, zum Teil eben sehr heftig, unter meiner Jacke keine Stellen, an denen ich nass geworden bin; eine gesonderte Regenkombi ist tatsächlich nicht nötig.
Auch bei meiner Ankunft in Velehrad wechselten sich Licht und Schatten ab: Zwar versuchte, die dort strahlende Sonne meine nasse Kleidung zu trocknen, aber das Kloster, das ich eigentlich besichtigen wollte, war geschlossen und zusätzlich eine riesige Baustelle: Um das gesamte Gelände herum finden Erd- und Straßenbauten statt, so dass man einerseits kaum an das Kloster herankommt, andererseits ein Foto unter diesen Umständen nicht wirklich lohnenswert war, würde es doch einen falschen Eindruck von dem eigentlich sehr schönen und weitläufigen Gebäudekomplex widerspiegeln.

So machte ich mich denn auf, den Rest der Tagesetappe bis Brno nunmehr verschont vom Wasser zurückzulegen. Dabei kam ich durch eine sehr abwechslungsreiche Landschaft, in der sich auf den sanft geschwungenen Hügeln Rapsfelder, kleine Wäldchen, Wiesen und Kornfelder abwechselten. Mit ihren unterschiedlichen Farben, die nach dem vorausgegangenen Regen kräftig leuchteten, malten sie ein besonders strahlendes Bild der Gegend. Später kamen auch Felder, auf denen kleine Maispflanzen wuchsen, und Weinberge dazu: Motorradfahrerherz, was möchtest Du mehr.
Dennoch war ich froh, als ich in meiner Unterkunft, einem unauffälligen, vielleicht etwas einfachen CityApartHotel im südlichen Teil von Brno ankam und mich aus meinen nassen Sachen schälen konnte. Anschließend hatte ich wenig Lust, mich wieder in diese Sachen und auf das Motorrad zu begeben, um mir die Kathedrale und die Altstadt von Brno anzusehen. Also bin ich für kleines Geld (etwa 5 Euro) bequem mit dem Taxi in die Innenstadt gefahren.

Die imposante Kathedrale, an der sich früher die aus Böhmen kommenden Pilger trafen, um den weiteren Weg nach Rom gemeinsam zurück zu legen, thront auf einer kleinen Anhöhe über der Altstadt, so dass man sie von dort an verschiedenen Stellen immer wieder zwischen den Häusern hindurch sehen kann. Die Altstadt selbst verdient diese Bezeichnung auch mit vielen gut erhaltenen oder restaurierten alten, schmuckvollen Häusern. Egal ob tagsüber oder bei Dunkelheit dann angestrahlt, laden sie den Besucher zu einem kleinen Bummel ein. In der Hoffnung, an diesem Abend mal so richtig deftig böhmisch essen zu können, wurde ich zum Teil enttäuscht, weil die Gastronomie in der Innenstadt nicht auf die lokale Küche eingerichtet ist. Zahlreiche Cocktailbars, Cafés und Lounges laden mit ihren draußen aufgestellten Sitzmöglichkeiten zu Verweilen ein. Ich habe dann im Vorgriff auf spätere Etappen ein italienisches Restaurant gefunden, in dem zumindest böhmisches Bier serviert wurde.
Hier ein paar Eindrücke von Brno:





15.06.2011: Die sechste Etappe von Brno nach Wien
Für diesen Morgen hatte sich Besuch angekündigt: Chris Sch, ein Facebook-Freund, den ich bereits im Vorjahr bei meiner 8-Länder-Tour mit 6 Hauptstädten in 6 Tagen kennen gelernt hatte, kam extra morgens aus Wien nach Brno gefahren. Gemeinsam wollten wir diese Tagesetappe fahren und somit auch ein wenig Videomaterial mit zwei Motorrädern erhalten.

Da wir nach einem gemeinsamen Frühstück erst ein wenig später losgekommen sind, entschieden wir uns, ausnahmsweise mal den Großteil der Etappe auf der Autobahn zurückzulegen. Leider ist diese Entscheidung schon nach wenigen Kilometern von einem bedauerlichen Vorfall überschattet gewesen: Ich hatte meine bevorzugte Action-Cam, die XTC von Alan-Electronics mit einem Spezial-Klemmhalter an der Verkleidungsscheibe von Chris`Yamaha R6 befestigt und hatte dabei ein wenig „pfuschen“ müssen, da das Schraubgewinde der Halterung einen Hauch zu lang war. Dieser Pfusch führte dann während der Fahrt bei etwa 120 km/h leider dazu, dass die Kamera nach rechts abfiel und irgendwo im Nirwana des bewachsenen Seitenstreifens verschwand. Zum Glück wurde kein anderer Verkehrsteilnehmer beeinträchtigt...
Somit blieben mir nur noch meine GoPro Hero sowie die Kodak Playsport, wobei wir in einem weiteren Versuch letztere auf der Maschine von Chris montierten und so auf dieser Etappe unsere Videoaufnahmen doch noch erhielten. Mal schauen, ob ich heute oder in den nächsten Tagen irgendwo Ersatz für meine XTC 200 bekommen kann.
Auf dem Weg zunächst nach Bratislava machten wir aber noch einen kleinen Abstecher nach Sastin, etwa 12 km östlich der Autobahn. In diesem Ort befindet sich die Basilika aus 1736, die mit ihrer Statue der wundertätigen Madonna sogar aus dem 16. Jahrhundert ein weiterer Wallfahrtsort auf der Route der Via Slavica ist.


Von dort ging es dann weiter nach Bratislava, der Stadt, die mich auf meiner 8-Länder-Tour so sehr angesprochen hatte. Bei mittlerweile über 32 Grad Lufttemperatur waren wir heilfroh, als uns die freundlichen Mitarbeiterinnen der Tourismus-Information erlaubten, unsere Helme und Jacken sowie meinen Tankrucksack dort zu deponieren. So konnten wir deutlich entspannter durch die tolle Altstadt mit ihren zahlreichen alten Häusern im besten Zustand flanieren.
Chris meint, dass ihn die Innenstadt von Bratislava durchaus an das Flair von Wien erinnere, als wir uns durch die belebten Gassen zum St.-Martins-Dom mit dem dortigen Grab des hl. Johannes des Almosengebers bewegten. Leider wird aktuell der Turm dieses Doms restauriert, so dass keine eindrucksvollen Außenaufnahmen möglich waren


Diese aus dem 15. Jahrhundert stammende Kirche wurde vom Ende des 16. bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Krönungskirche genutzt, in der 11 ungarische Könige und 8 Königsgattinnen gekrönt wurden. In der Krypta sind bedeutende kirchliche Würdenträger und Vertreter der Stadt begraben

Nach einer erholsamen Mittagspause im Schatten der wunderschön restaurierten Häuser holten wir dann wieder unser Gepäck in der Tourismus-Information ab, um uns auf zwei Rädern in die Heimatstadt von Chris, nach Wien, zu begeben. Auf dieser kurzen Etappe von kaum mehr als 80 km holte uns doch tatsächlich noch ein kurzer Regenschauer ein, der mich aber zum Glück nicht wirklich für die mal wieder weggelassene wasserdichte Membran in meiner Kombi bestrafte. Natürlich stand unser schon traditionell zu nennender Besuch bei unserer Käsekrainer-Bude an, aber noch gut gesättigt aus Bratislava füllten wir nur unseren Flüssigkeitshaushalt mit einigen kühlen Softdrinks wieder auf.
Chris musste sich dann auf den Weg machen, da der arme Kerl an diesem Abend noch Fußball spielen musste: Bei den herrschenden Temperaturen habe ich nicht wirklich Neid verspürt. Ich selbst machte mich dann in der Rush-Hour daran, mir meinen Weg zum Hotel zu bahnen, welches in der Nähe des Praters lag und mir so mittels U-Bahn eine sehr entspannte kurze Fahrt in das Zentrum von Wien, zum Stephansplatz, ermöglichte.
Hier gelangte ich direkt aus dem U-Bahnhof an den Fuß des Stephansdoms, der aktuell ebenfalls eine Phase der Restaurierung erlebt. Hier kann man aktuell auf den Fotos ganz wunderbar den „Vorher-Nachher-Effekt“ erkennen. Man bemüht sich die dunklen Verfärbungen auf der Fassade zu beseitigen. Wie man im oberen Teil des Domes, insbesondere des Turmes gut sehen kann, ist man damit durchaus erfolgreich.

Die reguläre Besuchszeit war an diesem Tag leider schon beendet und in Kürze sollte ein weiterer Gottesdienst beginnen. Damit war eine Innenbesichtigung dieses aus 1365 stammenden Gebäudes mit einem frühbarocken Hochaltar und dem Tränenwunder der Ikone der Maria Pötsch nur sehr eingeschränkt möglich.
Die farbige Wirkung, die die großen, bunten Fenster im Innern verursachen, wird durch entsprechend unterstützende Beleuchtung verstärkt. Das führt zu fast schon surreal zu nennenden Effekten und Eindrücken.


Neben dem Staphansdom fiel mir noch die Kirche St. Peter auf, in der gerade eine Konzertprobe eines kleinen Orchesters stattfand. Reich bemalte Decken und Wände zieren das gesamte Gotteshaus und laden, wie bei mir noch zusätzlich mit Konzertmusik untermalt, zum Verweilen ein.


Auf dem Heimweg machte ich dann noch eine zufällige Entdeckung: Ganz in der Nähe des von mir gewählten Hotels am Praterstern befindet sich das Café und Restaurant „3/4-Takt“. Hier, in dem Haus, in dem 1867 Johann Strauss sein Werk „An der schönen blauen Donau“ schuf, werden nun sehr gut zubereitete und äußerst schmackhafte Gerichte angeboten, die dennoch den Geldbeutel nur wenig belasten. So habe ich für mein „unechtes“ Wiener Schnitzel vom Schwein mit Kartoffeln und Salat keine 8 Euro gezahlt, bin aber von der Portion derart satt gewesen, dass ich leider viel zu viel von dem leckeren hausgemachten und warmen Apfelstrudel mit Vanillesauce stehen lassen musste: Ein echter Geheimtipp oder genauer: ein echter Motorrad-Tourer.com Tipp!


16.06.2011 - Die siebente Etappe von Wien nach Graz
Diese Etappe versprach, vielleicht eine der schönsten Motorradstrecken der Via Slavica zu werden: Von Wien aus sollte es mit Stopps an einigen Wallfahrtsorten durch Niederösterreich in die Steiermark gehen, um das nächste Quartier dann südlich von Graz zu beziehen. Außerdem war sie mit über 300 km auch eine der längeren Etappen.
Nach morgendlichem Kräfteringen mit einem „sich aufhängenden“ Netbook und verloren gegangener Routenplanung für das Navi kam ich dann erst spät am Vormittag in Wien los, wo mich direkt wieder Rushhour empfing. Von hier aus steuerte ich mit St. Pölten mein erstes Zwischenziel für diesen Tag an. Im dortigen Dom, der bereits um 1150 entstanden sein soll, können Deckenfresken und ein Kreuzgang mit einem sehr liebevoll gestalteten Innenhof besichtigt werden.

Im Dom fand ich eine kleine Karte vor, die den Wallfahrerweg von St. Pölten nach Mank beschrieb. Ein Blick in diese Karte zeigte mir, dass ich dieses Ziel auch gut in meine Route einbauen kann. Naturgemäß kann ich mit dem Motorrad auch diesen vorgezeichneten Weg nicht exakt nutzen, da er oftmals nur über schmale Fußwege führt. Aber einige erste schön geschwungene kleine Straßen, insbesondere auf den letzten Kilometern über schmale und unbefahrene Sträßchen zwischen den Feldern hindurch, waren die beste Grundlage zum „warmfahren“.

In der gotischen Wallfahrerkirche von Mank aus dem 15. bzw. 16. Jahrhundert mit Netzrippengewölbe und ihrer barocken Ausstattung aus dem 18. Jahrhundert zählen die Mater Admirabilis (die „Wunderbare Mutter von Mank“) sowie die in Fatima gefertigte Marienstatue auf dem Seitenaltar die Höhepunkte dar.

Gerade hier in Niederösterreich gibt es eine solche Fülle von Wallfahrtsorten, dass man sie realisitisch im Rahmen einer solchen Tour gar nicht alle besuchen kann. Aus diesem Grund war klar, dass ich eine Auswahl treffen muss. Ebenso klar war, dass Mariazell als einer der bekanntesten Pilgerorte aber nicht fehlen darf, so dass ich mein Motorrad anschließend in diese Richtung steuerte.

Was mich dann auf der Strecke Strecke erwartete, war motorradtechnisch ein absoluter Hochgenuss: Traumhaftes Wetter mit etwa 25 Grad und Sonnenschein lieferte die richtigen Rahmenbedingungen für die nun folgenden langgestreckten Kurven, in den Tälern, die mich zu engen Kehren am nächsten Berg führten. Hier schlängelte ich mich auf der mehrfach gewundenen Straße zu beeindruckenden Aussichten die Berge hinaus und hinab. Bei solchem Genuss bitte ich um Verständnis, dass die Bereitschaft, anzuhalten und Fotos zu machen, äußerst gering war: Jetzt stand mal das Fahren im Vordergrund, und das bitteschön möglichst ungestört.
Ich hoffe aber, dass die dabei angefertigten Videoaufnahmen nach Fertigstellung des Films die fehlenden Fotos entschuldigen werden.
Wie schon an so manch anderen Wallfahrtsorten empfing mich auch Mariazell mit Herannahendem Gewitter: Die umliegenden Berge waren bereits in dunkle Wolken gehüllt, das Donnergrollen schien diese Wolken immer weiter auf uns zuzuschieben. Jetzt war wieder die Entscheidung fällig, das nahende Gewitter im Schutze der Basilika aus dem 14. Jahrhundert abzuwarten oder sich auf den Weg zu machen, um dem Gewitter davonzufahren. Ich habe mich dann nicht zuletzt in Vorfreude auf weitere Kurven und Kehren für eine Aufenthalt entschieden, der demjenigen einiger japanischer Touristen kaum nachstand. Dafür habe ich es aber geschafft, dass mich das sich kurvig schlängelnde Straßenband noch vor dem herannahenden Gewitter wieder in seinen Bann ziehen konnte.

Auch die sich nun anschließende Strecke ostwärts in Richtung Sonnwendstein offenbarte pures Motorradvergnügen: Hier in Niederösterreich findet man eine sehr angenehme Kombination aus abwechslungsreicher und anspruchsvoller Streckenführung mit überwiegend guter Qualität des Straßenmaterials vor: So macht Motorradfahren Spaß!
Kurz vor Sonnwendstein gab es dann noch einen Spontan-Einfall: Schon in den Tagen zuvor hatten wir zusammen mit meiner Facebook-Bekannten Josi Mold festgestellt, dass meine Route direkt durch ihre Heimat führt. Und da ich es immer wieder gut finde, die Leute, mit denen ich in der elektronischen Welt Kontakt habe auch persönlich kennenzulernen, gab es einen kurzen Zwischenstopp auf einen Kaffee und ein Wasser: Herzlichen Dank für dieses nette Intermezzo.

Leider hat mich anschließend mein Wetterglück verlassen: Nachdem ich bisher an diesem Tag dem regen und Gewitter immer gut entkommen konnte, hat mich zunächst der Regen noch vor Sonnwendstein erwischt. Mein Navi gab an, ich hätte noch knappe zwei Stunden Fahrt vor mir, nachdem es bereits 17 Uhr und ich seit etwa 10:30 Uhr unterwegs war. Damit schwanden auch mit einsetzendem Regen die Chancen, dass ich mir „Maria Schutz“ in Sonnwendstein anschaue, ich habe mich lieber für die Durchfahrt zu meinem Ziel in Feldkirchen südlich von Graz entschieden.
Leider wurde es aber mit der Durchfahrt nichts, denn zu dem Regen gesellte sich etwa 60 km vor Graz eine Gewitter, das mich auch bis kurz vor Graz begleiten sollte. Dabei hatte ich auch noch Glück, als in dem Moment, in dem sich alle Schleusen öffneten und unglaubliche Wassermassen aus den Wolken fielen, gerade eine Tankstelle auftauchte und mir ein wenig Schutz und Möglichkeit zum Unterstellen bot.
Bei den Witterungsverhältnissen bot sich dann auch keine Foto des Grazer Doms mehr an. Und spät, wie ich mittlerweile dran war, gab es auch keine Möglichkeit zur Innenbesichtigung mehr. Schade, ich hätte ihn ir gerne angesehen.
Müde und hungrig kam ich dann um kurz vor 20 Uhr in meiner Unterkunft „Herberts Stubn“ in Feldkirchen ein: Ganz versteckt und von der Hauptstraße zunächst durch ein Industriegebiet versteckt, öffnete sich nach zweimaligem Abbiegen eine völlig andere Welt: Ein kleines Neubaugebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern verspricht familiäre Idylle, und mittendrin stehen die Frühstückspension und das dazu gehörige Gasthaus. Zum Glück wurde die Küche auch noch nicht geschlossen, so dass ich gleich nach dem Duschen auch dem leiblichen Wohl von innen gutes tun konnte, um später dann gesättigt und zufrieden ins Bett gehen zu können: Etwas Ruhe war auch nötig, stand doch für den kommenden Tag wiederum eine Etappe von über 300 km Landstraße nach Udine an, und die Wetterprognosen hörten sich nicht gerade viel versprechend an.
17.06.2011 – Die achte Etappe von Graz nach Udine
Wie man es macht, so macht man es falsch...
Nach meiner gestrigen Erfahrung mit reichlich Regen und Gewittern und der Wetterprognose für den aktuellen Tag (Graz: Regen und Gewitter, Villach: Regen und Gewitter und Udine (Regen und Gewitter) stand meine Entscheidung schnell fest: Dies sei der richtige Tag, um die wasserdichte Membran nicht nur in die Jacke, sondern auch in die Hose der Rukka-Airoad zu knüpfen. Und nachdem ich am Vortag zwei Stunden bei Regen und Gewitter durch die Berge gekurvt bin und dies nun nicht eine ganze Tagesetappe mit wieder über 300 Kilometern praktizieren wollte, war die Autobahn die Roure der Wahl.
Als jemand, der ansonsten nicht gerne über die Autobahn fährt sondern eher die kleinen Straßen bevorzugt, war ich ziemlich erstaunt: Das kann ja mal auch ganz angenehm sein, so entspannt über die Bahn zu cruisen, wenn einerseits die Landschaft ringsherum zum Schauen animiert und andererseits auch Dank recht konsequenter Umsetzung des Tempolimits kaum Raser unterwegs sind.
Aber das Erstaunlichste war, dass ich bis zur Grenze Österreich – Italien nicht einen tropfen abbekommen hatte.... Natürlich, war ich doch entsprechend präpariert...
Gleich nach der grenze bin ich in Tarviso dann von der Autobahn abgefahren, da Tarviso der Treffpunkt für viele osteuropäische Pilger unterschiedlichster Nationen war: Hier trafen sich die Polen aus Warschau und Kraków mit den Tschechen aus Prag und Brno, den Slowaken, den Slowenen aus dem Raum Ljubljana und den Ungarn aus Budapest. Von hier aus ging es dann meinen kommenden Etappen entsprechend über Aquileja, Venedig und Ravenna nach Rom.

Anschließend bin ich von Tarviso aus über die Landstraße nach Udine gefahren. Diese führt mehr oder weniger parallel zur Autobahn aber deutlich geschwungener und schöner zu fahren als die schnelle Verbindung. Nach dem ein oder anderen Fotostopp holte mich eine Harley wieder ein, die ich schon überholt hatte.

Nun ließ ich mich auf das ruhigere Tempo ein und so cruisten wir gemeinsam in dieser wunderschönen Landschaft der Alpenausläufer: Auf das Video meiner On-Board-Kamera von dieser Teilstrecke freue ich mich schon jetzt, das wird mir über lange Winterabende helfen.
Bis zu meiner Ankunft in Udine habe ich keine Handvoll Regentropfen abbekommen... Mein hotel machte von außen zunächst keinen besonders ansprechenden Eindruck, so dass ich begann, an meiner Wahl zu zweifeln. Aber das zimmer selbst sowie die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft des Personals rissen alles heraus: In einer Entfernung von nur 5 Minuten zu Fuß ist die Altstadt von Udine bequem zu erreichen und wartete nun darauf, von mir erkundet zu werden.





Insofern war es auch mal ganz angenehm, schon relativ zeitig am frühen Nachmittag am Zielort des Tages anzukommen und für diesen etwas mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Und dass der kräftige Regenschauer erst einsetzte, als ich gut geschützt in den Arkaden rund um den Marktplatz saß und diesen Beitrag schrieb, machte den gesamten Tag irgendwie zusätzlich rund: So ein kräftiger Landregen ist aber auch wunderschön, wenn man ihn gut beschützt und dennoch so dicht dran erleben kann. Da schmeckt das Gläschen Rotwein doch gleich doppelt gut. Bienvenuto italia!

Benvenuti in Italia
18.06.2011 - Die neunte Etappe von Udine nach Venedig
Nur einen Katzensprung dauerte die heutige Etappe von Udine nach Venedig. Knapp einhundertundachtzig Kilometer, wenn man den geplanten Abstecher in die Basilika nach Aquileja noch berücksichtigt. Ohne Frage wäre es auch nett gewesen, von Udine aus die Abtei di Rosazzo in Manzano anzusteuern. Von dieser tausendjährigen Abtei soll man einen fantastischen Blick bis hinunter ins etwa 30 km entfernte Aquileja haben... wenn das Wetter mitspielt.
Als ich von Udine kommend südöstlichen Kurs nahm, fuhr ich direkt wieder auf die mir schon zu gute bekannten dunklen Gewitterwolken zu, aus denen es schon über Entfernung hinweg sichtbar regnete: Keine gute Aussicht und dafür durchnässte Kleidung, das war kein erstrebenswertes Ziel.
Also haben mich die kleinen Straßen und Wirtschaftswege zwischen den Weinbergen hindurch nicht gesehen; ich habe mich direkt auf den Weg nach Aquileja gemacht, um die dortige Basilika zu besichtigen.


Die archäologischen Ausgrabungen im Nebenraum der Basilika hat man gut geschützt und dennoch sichtbar für alle Besucher mit begehbaren Glasscheiben versehen.

Vom Turm der Basilika kann man sogar bis ans Mittelmeer sehen.

Anschließend ging es den nahenden Gewitterwolken zum Trotz über die Landstraße nach Venedig. Gut, dass ich kurz vor Geschäftsschluss noch einen Motorradhändler gefunden habe, bei dem ich meinen Vorrat an Motoröl auffüllen konnte: Auf den mittlerweile 2500 km hat mein Reisedampfer einen Liter verbraucht, den es nach und nach aufzufüllen galt. Jetzt war meine Reserve aufgebraucht.
Links und rechts der Landstraße in der Küstenregion säumten zahllose Villen, Bauernhäuser und Gehöfte den Straßenrand. Eigentlich hätte man permanent anhalten müssen, um die teils wunderschönen Häuser, teils unglaublich alten und umgewidmeten Scheunen oder Nebengelasse zu fotografieren. Gerade in der aktuellen Jahreszeit, in der viele Pflanzen kraftvoll blühen, gab es so manche farbliche Abwechslung zu sehen.




In Venedig habe ich im Vorort Mestre mein Quartier im Hotel Guidi bezogen. Obwohl es für venezianische Verhältnisse preislich noch überschaubar ist, kam ich nach 3 Minuten Fußweg innerhalb einer weiteren Viertelstunde problemlos mit dem Bus direkt ins Zentrum von Venedig, von wo aus ich den weiteren Weg über den Canale Grande mit einem öffentlichen Transportschiff zurücklegte. Hier einige Eindrücke vom Canale Grande:





Mein Ziel war natürlich San Marco, der berühmte Platz mit der gleichnamigen Kathedrale. Hier fehlte mir leider der „Schutzengel“, denn genau am heutigen Tage hatte die Kathedrale bereits am frühen Nachmittag geschlossen, etwa zu meiner Ankunftzeit im Hotel.

Somit blieb nur die Gelegenheit, ganz wenige Aufnahmen durch das verschlossene Gitter hindurch sowie von außen anzufertigen.



Insgesamt ist venedig bei den vorherrschenden hochsommerlichen Temperaturen von über dreißig Grad schweißtreibend, aber dennoch immer wieder beeindruckend und schön!

19.06.2011 - Die zehnte Etappe von Venedig nach Rimini
Eine spontane Routenänderung beim Frühstück kennzeichnet diese Etappe: Ein längerer Blick auf die FlexiMap vom Kunth-Verlag ließ die Entscheidung reifen, nicht nur entlang der Adriaküste von Venedig über Ravenna nach Rimini zu fahren. Dabei hat Rimini für die Via Slavica eh keine besondere Bedeutung, vielmehr entstand dieser Zwischenstopp allein aus der Kombination sinnvoller Tagesetappen und preiswerter Unterkünfte.
Die Emilia Romagna, die ich an diesem Tag durchqueren wollte, hatte mehr verdient: Der Schmelztiegel aus zwei unterschiedlichen Kulturen (die küstennahe Romagna eher byzantinisch geprägt, die Emilia dagegen seit jeher als Durchgangsland eher offen und interessiert sowie interessant an Neuem und für neue Einflüsse, ist eine derart interessante Region, dass sich eigentlich eine eigenständige Reise hierhin anbieten würde.

Insofern bot sich ein Abstecher nach Padova an, zumal sich dann auch gleich ein Besuch Ferraras anschließen würde. Statt nur das Po-Delta zu kreuzen, konnte ich so nun auch die Po-Ebene durchqueren. Der erste Eindruck einer eher eintönigen Landschaft verfliegt schnell, schaut man etwas genauer hin. Mit zahlreichen kulturellen Höhepunkten hat die Region viel im Umfeld von Parma, Modena, Bologna, Ferrara und Ravenna zu bieten. Unterschiedliche kulinarische Präferenzen treffen aufeinander und beleben sich gegenseitig: In der byzantinisch geprägten Romagna wird noch immer viel Schaffleisch und Schafskäse angeboten und das Olivenöl dominiert, während in der Emilia seit jeher das Schwein eine ganz besondere Wertschätzung genießt: Wer kennt nicht den legendären Parma-Schinken?
Bevor es in die Region ging, stand ein Besuch Padovas (Paduas) an. Natürlich habe ich hier die Kathedrale mit Baptisterium aufgesucht, um einige Eindrücke für die Via Slavica-Tour zu erhalten.



Aber auch für weniger religiöse Themen hat Padua einiges zu bieten. Zum Beispiel auf diesem großen Flohmarkt, der eigentlich viel mehr ein Antik-Markt ist, kann so manches Schätzchen erstanden werden.


Von Padova aus ging es nun weiter über kleine und wenig befahrene Landstraßen in Richtung Ferrara. Hier konnte ich die Lebensfreude der Bewohner der Emilia-Romagna erleben, als ich zufällig auf ein Oldtimertreffen an dem Marktplatz eines kleinen Ortes traf. Bei den hier gezeigten Schmuckstückchen wurde so manch eine Kindheitserinnerung wach und ich denke, meine Augen glänzten ähnlich wie die der übrigen Besucher.



Ferrara empfing mich dann mit wunderschönen Straßenzügen gut erhaltener alter Gebäude.


Südlich des Po-Deltas wartete in Ravenna eine Überraschung auf mich: Hier kann man in mehreren Kirchen antike Mosaikkunst besichtigen. Ich entschied mich zu einem Besuch der Santa Maria in Porte und wurde dort mit einem Gottesdienst in einer erst vor wenigen Tagen gehörten Sprache überrascht: Hier wurde nun mitten in Italien an einem Sonntag Nachmittag eine heilige Messe in polnischer Sprache abgehalten! Kurz musste ich nachdenken, ob mich die Erlebnisse vor einigen Tagen so berührt haben, dass ich mir das einbilde, bis ich merkte, es ist Realität.

Der letzte Teil meiner etwas über 300 km umfassenden Tagesetappe führte mich dann in die Strand- und Party-Stadt Rimini. Die Nähe zu Maranello und Imola spürt man ebenfalls deutlich: Große und stark motorisierte PKW werden von noch stärker motorisierten Zweirädern über die Straßen gejagt, wobei sich dabei das klassische Boxergeräusch großhubiger GSen und das tiefe Grollen der Ducs die Waage halten. Diese Stadt bietet ein deutliches Kontrastprogramm zu meinen sonstigen Unternehmungen auf der Via Slavica. Erfreulich, wenn das Auge dann doch noch an etwas zum Reisethema passenden verweilen kann.

Nach nunmehr über 3000 auf dieser Tour zurückgelegten Kilometern in etwas mehr als einer Woche bin ich nur noch zwei Tagesetappen von meinem Ziel Rom entfernt.
20.06.2011 - Die elfte Etappe von Rimini nach Assisi
Auf meiner vorletzten Etappe stand wieder einmal das Motorradfahren stärker im Vordergrund. Natürlich wollte ich die Gelegenheit nutzen, mit San Marino ein weiteres und für mich neues Land zu bereisen. Von diesem kleinen Bergstaat, der sich seine Unabhängigkeit auch weiterhin bewahrt hat, hatte ich bisher nur ab und an mal gelesen, ohne jedoch selbst da gewesen zu sein.
Schon die „Einreise“ hat mich schmunzeln lassen, da nicht nur die Staatsfläche klein ist: Ich habe noch nie an einer Grenze ein derart kleines Hinweisschild zu den geltenden Höchstgeschwindigkeiten gesehen, wie an diesem Ort. Natürlich kann es keine Höchstgeschwindigkeiten auf Autobahnen geben, wenn es auch keine solchen Autobahnen gibt...

Dafür hat dieser kleine Staat landschaftlich und insbesondere für Motorradfahrer einiges zu bieten:




Von hier aus ging es dann weiter durch den Apennin, den Mittelgebirgszug, der sich in Italiens Stiefel von Nordwesten nach Südosten zieht. Auch hier warteten traumhafte Streckenführungen auf mich, die mich immer wieder in Gewissenskonflikte brachten. Sollte ich die Fahrt einfach nur genießen oder besser immer wieder anhalten, um die Schönheit der Landschaft zur Erinnerung einzufangen?
Hügel, die nicht nur sanft sondern irgendwie überraschend lustig, wie von Kinderhand gezeichnet plötzlich aus dem Boden wuchsen. Überhaupt fühlte ich mich von den Landschaftsformen und -farben immer wieder in ein Kinderbild hineinversetzt.


Und wie man sieht, gibt es hier auch durchaus richtige Bergstrecken mit reichlich Kehren: Nach einer sehr vergnüglichen Auffahrt versprach das Navi, dass es son nu n auch abwärts weitergehen würde:

Ich habe dann noch einen kurzen Zwischenstopp in der Città di Castello, einer Stadt, die vollständig von einer komplett erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer umgeben ist, eingelegt.

Nach gut 200 Kilometern puren Motorradvergnügens erreichte ich dann meinen Zielort Assisi, der mich schon über große Entfernung hinweg über die Felder und Olivenhaine hinweg begrüßte.

Die gesamte Stadt wirkt aus der ferne wie auch von Nahem wie eine Festung, die kompakt und sehr dicht miteinander verbunden am Hang klebt, um sich gemeinsam etwaigen Feinden entgegen zu stellen. Irgendwie wirkte es auch so, als ob auch Fahrzeuge als gemeinsame Feinde eingeschätzt werden und man deswegen außerhalb der Stadt in Tiefgaragen und Parkhäuser verbannt wird. Leider war die gesamte Verkehrsführung von wahren Scharen reichlich gefüllter Reisebusse so überfordert, dass es bei dem ganzen Gewusel selbst für mein Motorrad und mich kein vernünftiges Hindurchkommen gab.
Die Perspektive, zunächst bei den aktuell etwa 35 Grad heißen Temperaturen in diesem Chaos irgendwo einen Platz für mein Motorrad zu finden und dann in voller Montur in den Menschenmassen der übrigen interessierten Touristen den Hügel zur Stadt zu Fuß zu erklimmen, führte dann zu einem Verzicht: Ich denke, dass es im Internet für jeden Interessenten genügend Bilder der Basilika des hl. Franz von Assisi geben wird, so dass weitere Fotos oder Videoaufnahmen von mir verzichtbar sein dürften. Dieses schweißtreibende und zeitraubende Vorhaben wollte ich mir dann lieber nicht antun, so dass es auch von diesem Ort nur Außenaufnahmen von mir gibt.

Lieber habe ich dann den herannahenden Abend, meinen letzten vor dem Erreichen meines Reiseziels in Rom, in Ruhe und bei einem guten Essen sowie einem stimmungsvollen Sonnenuntergang genossen. Am nächsten Tag würde ich Rom erreichen und dort dann noch einen weiteren Tag Aufenthalt haben, eh ich die etwas über 1500 km umfassende Heimreise nach Berlin wieder antreten würde.

21.06.2011 - Die zwölfte Etappe von Assisi nach Rom
Auf meiner letzten Etappe zum Ziel der Via Slavica in Rom hat die umbrische Landschaft, die mir schon gestern an Herz gewachsen war, nochmals einen drauf gelegt: Der stete Wechsel von Olivenhainen, Sonnenblumenfeldern, Getreidefeldern und Weinhängen verursacht zu dieser Jahreszeit eine farbenfrohe Wirkung, die ansteckend ist und gar keine schlechte Laune zulässt.



Noch sind sowohl die Oliven selbst als auch die Weintrauben klein und benötigen ihre Zeit, um auch unsere Geschmacksnerven zu berühren.


Aber es machte trotz der wieder deutlich über 30 Grad Lufttemperatur einfach nur Spaß, durch diese wunderschöne Gegend zu fahren, die Straßen entlang der Hügel zu erklimmen oder beschwingt durch die Täler zu kurven. Schade, dass von Berlin aus gesehen Umbrien so weit entfernt ist, sonst würde man mich hier deutlich öfter sehen.


Schon am frühen Nachmittag waren dann wieder gut 200 km abgespult und ich bin in Rom angekommen: Insgesamt lag nun nach 12 Reisetagen eine Gesamtstrecke von fast exakt 3500 Kilometern hinter meinem Reisedampfer und mir, von denen etwa 3000 km über Land und ohne Nutzung der Autobahn gefahren wurden. Dementsprechend zufrieden war ich dann, als ich meine Unterkunft für die kommenden beiden Nächte erreichte: La Casa di Accoglienza „Suor M. C. Brando“ , also das Gästehaus der Schwesternschaft Maria Cristina Brando.

Jedem Rom-Reisenden kann und möchte ich diese Unterkunft sehr empfehlen: In dieser wunderschönen Residenz in einer Villengegend im Nordwesten von Rom kostet das Einzelzimmer incl. Badezimmer, Klimaanlage (bei dieser Witterung besonders interessant), Parkplatz und Frühstück gerade einmal 40 Euro. Und dafür erhält man eine Unterkunft mit solchem Ambiente:

Nun ist mit Erreichen meines Ziels und dem morgigen ersten Ruhetag auch der richtige Zeitpunkt gekommen, um ein kurzes Fazit zum Material zu ziehen:
Mein Reisedampfer hat sich trotz der kurz vor Reisebeginn aufgekommenen Zweifel wacker geschlagen und ist bis hierher ohne Probleme, mit unbedeutendem Ölverbrauch und einem mittlerweile auf deutlich unter 6 Litern gesenkten Spritverbrauch sehr gut gelaufen.
Dabei macht sich auch die Kombination mit den Metzeler-Reifen Z6spürbar bemerkbar. Nahezu 10000 Kilometer Laufleistung haben sie nun hinter sich gebracht und zeigen noch immer reichlich Profil für die noch folgenden 1500 – 2000 km für die Heimreise. Sie haben bei trockenen wie nassen Verhältnissen immer Sicherheit ausgestrahlt und waren eine fantastische Wahl für diese Tour. Wahrscheinlich werden sie in Berlin gegen ihresgleichen getauscht werden, frei nach dem Motto: Never change a winning team!
Mein Tankrucksack „Trial“ von sw-motech/bags-connection hat wieder sicher meine Technik befördert und so manches Mal durch seine Breite bei meinen Wendemanövern für ein Hup-Konzert gesorgt. So langsam gewöhne ich mich auch daran.
Bis auf wenige kleine Aussetze hat mich auch mein GARMIN zumo 550 gut und sicher an die jeweiligen Tagesziele gebracht und wusste auch bei den wenigen angetroffenen Umleitungen schnell wieder, wie es weitergeht.
Highlight und Überraschung gleichzeitig waren für mich aber die Rukka-Textilkombi „“Airoad“ sowie meine Stiefel „Traveller“ aus dem deutschen Hause Daytona: Beide Produkte haben mich bestens durch ganz unterschiedliche Witterungsverhältnisse gebracht. Von deutlicher Hitze um die 35 Grad im Schatten aber beim Fahren in praller Sonne angefangen war ja bis zu Sturzbächen von Landregen und lange Regenetappen so ziemlich alles dabei:
Mit der wasserfesten Membran hält die Airoad nicht nur ihr Werbeversprechen, sondern auch und vor allem jeden Regen ab: Meine Entscheidung ist gefallen, meine Regenkombi daheim werde ich abgeben, da ich sie nicht mehr benötige. Ohne Membran dagegen lässt es sich in der Kombi sogar ganz gut aushalten, wenn einem während der Fahrt ein heißer Fön ins Gesicht bläst, da der Stoff ausreichend luftdurchlässig ist, um einen Hitzestau zu verhindern: Diese Konstruktion hat sich einen echten Motorrad-Tourer.com-Tipp verdient!

Aber auch die Traveller von Daytona wussten zu überzeugen: Auch der kräftigste regen fand keinen Weg in die Schuhe, wenn nicht der Fahrer selbst durch fehlende Membran in der Hose dafür sorgt... Aber entgegen meiner Erwartung, dass ein solch hoher und fester Stiefel bei großer Hitze Probleme machen würde, ist genau das nicht eingetreten. Insofern gilt auch für dieses Produkt der Motorrad-Tourer.com Tipp!
Sehr bedauerlich ist, dass ich meine Action-Cam Alan-Electronics XTC-200 auf dem Weg von Brno nach Wien verloren habe: Die bis dahin angefertigten Videoaufnahmen in Verbindung mit den vielfältigen Befestigungsmöglichkeiten haben sie zu meinem Favoriten unter den Action-Cams werden lassen. Klar, dass auch dieser Motorrad-Tourer.com Tipp! Daheim schnellstens erneuert werden muss, unterwegs war dies leider nicht möglich.
Außerdem hatte ich mir kurz vor der Reise mit dem Bilora GT-01 noch einen genialen Geo-Logger zugelegt: Einfach mit der Kamera verbunden kann er später am Rechner mit Internetverbindung dir jeweilige Geo-Position den Fotos zuordnen und sehr komfortabel diese dann beschriften: Überschaubarer Preis und gutes Handling machten ihn zu einem regelmäßig von mir genutzten Tool.
Und last not least konnte ich auch in den wenigen Hotels, in denen mein Reisedampfer nicht gut verschlossen übernachten konnte, Dank des ABUS Granit CityChain X-Plus gut und sorgenfrei schlafen.
Kurzum: Mit einer derart guten Ausrüstung ist eine solche Reise auch gut durchzuführen. Vielen Dank insofern an meine Partner und Unterstützer dieser Tour unter "Partner"

Meine eigentliche Motorradreise entlang der Via Slavica von Warschau nach Rom geht hier nun zu Ende. Natürlich werde ich noch über meine heutigen und morgigen Erlebnisse in Rom und der Vatikanstadt berichten und mit einigen Fotos untermalen, bevor ich dann übermorgen wieder die Heimreise antreten werde.
Schon jetzt würde ich mich aber über Kommentare oder Fragen, Anregungen oder Kritik, Hinweise und Feedback über das Gästebuch der Website www.via-slavica.eu/gaestebuch sehr freuen. Vielen Dank an all diejenigen, die meine Reise und mich live via Facebook oderTwitter begleitet haben und allen denjenigen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt die Zeit nehmen, sich mit meinen Etappen und meinem Vorhaben zu befassen. Viele Grüße aus Rom!




